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Schützenmeister - Königsschießen - Königsehren
- Details
- Kategorie: Geschichte
- Veröffentlicht am Mittwoch, 08. Februar 2012 22:55
- Geschrieben von Buschmann
Kommen wir nun zu dem, worin sich jemand der einer Heimwehr
angehörte, üben musste: dem Schießen. Waren die
Schützen zunächst wie weiter vorn beschrieben ausgerüstet,
so setzte sich nach dem dreißigjährigen Krieg (1618 -
1648) und den danach entstehenden Schützenvereinigungen das
Übungsschießen mit dem Feuerrohr, dem Gewehr, durch. In
einem Schützenbrief von 1655 heißt es: „Es soll auch
ein jeder Schütze sein Rhor (Feuerrohr = Gewehr) fertig halten,
auch soll ein jeder Schütze nach vermugen (Vermögen) ein
gut Wandekleid (= gut gewandet, gut gekleidet) haben, bey angezogener
Straff.“ In einem anderen Schützenbrief aus dieser Zeit
lesen wir, dass jeder Schütze ein eigen Rohr und ein Pfund
Pulver sowie die nötigen Kugeln haben muss.
Mehrfach im Jahr
traf man sich an einem geeigneten Ort außerhalb des Dorfes, um
Schießübungen abzuhalten. Außer diesen Schießübungen
militärischer Natur wurde von Zeit zu Zeit ein Schießen um
das so genannte Kleinod (Kostbarkeit, Schmuckstück) organisiert.
Es wurde der beste Schütze der Gruppe ermittelt, der dann als
Schützenmeister für eine bestimmte Zeit das Abzeichen der
Schützen das Kleinod, zu tragen hatte. Getragen wurde es in der
Regel an einer (meistens) silbernen Halskette, so dass es auf der
Brust auflag. Der Schützenmeister wurde später auch König
genannt.
Aber worauf wurde geschossen, um den Besten zu ermitteln?
Für uns heute kaum vorstellbar, aber doch wahr: Im 17. und 18.
Jahrhundert wurde hier und da auf eine lebende, festgebundene Taube
geschossen oder auf ein anderes größeres Vogeltier.
Es
ist auch bekannt, dass auf den Kopf einer lebenden Gans, die mit Hals
und Kopf aus einer Kiste herausschaute, die jedem Schützen
vorgeschriebenen Schüsse abgegeben wurden.
Verlassen wir
diesen doch für unser Verständnis heute etwas makaberen
Bereich. Alsbald setzte sich ohnehin das Schießen auf Scheiben
durch. Dort, wo heute auf den Vogel geschossen wird, nehmen wir doch
lieber mit dem Holzvogel vorlieb. Allerdings: Die Tradition des
Vogelschießens resultiert aus dem eben Beschriebenen.
Eine
interessante Gepflogenheit war es, dem frischgebackenen König
einen neuen Hut zu verehren. Dies besorgten die Schützenbrüder.
Dafür spendete der König das begehrte Bier. Ein Bier, das
übrigens fast immer selbst gebraut wurde.
Die Schützen
hatten ihren König abends mit „gehörigem Spielwerk
(Musikbegleitung) nach Hause zu begleiten.“ Unversehens sind
wir nun bereits in das hineingeraten. , was wir Schützenfest
nennen.
„Fröhlichkeit und Behagen sollen die Gemüter erschließen“
Die Schützenfeste wurden ursprünglich Gelage genannt
(Gelage bedeutet ursprünglich etwas aus Essen Zusammengelegtes,
das üppiger als gewöhnlich ausfällt und gemeinsam
verzehrt wird).
Diese Feste waren zunächst reine Männerfeste.
Sie wurden nach und nach dahingehend geöffnet, dass die Ehefrau
oder eine andere „redliche Frau“ mitgebracht werden durfte, wenn
die Ehefrau etwa verstorben war.
Alle Schützenbriefe aber
enthalten das Verbot, einen Fremden mitzubringen. Bier durfte nur an
die Schützen ausgegeben werden, nicht aber an Außenstehende.
Kranken Schützenbrüdern und deren Frauen wurde Bier ins
Haus gebracht. Zunächst dauerten Schützenfeste nur einen
Tag (bis abends neun Uhr). Erst allmählich dehnten sich die
Festlichkeiten zeitlich aus.
Das Fest aber nahm in aller Regel
folgenden Verlauf: Wenn die Trommel am frühen Morgen geschlagen
wurde, trafen sich die Schützen mit dem Gewehr (so vorhanden) an
einer festgelegten Stelle. Von dort wurden sie vom Anführer zum
Besuch zur Heiligen Messe geführt. Danach ging es zum Schießen.
Dem Schützenmeister/König wurde die Kette mit dem Kleinod
umgelegt und im feierlichen Zuge ging es in den Ort zurück, wo
das Gelage begann. Zum Schluss des Festes wünschten sich alle
Frieden und versprachen, einander ìn Not und Tod getreu
beizustehen.
Hubert Plogmeier in Eissen - Bild unserer Heimat, Seite 22
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