Unser Dorf
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Erste feste Organisationsform - der Generalmobilmachungsplan
- Details
- Kategorie: Geschichte
- Veröffentlicht am Dienstag, 24. Oktober 2006 16:48
- Geschrieben von Buschmann
Eine
feste Organisationsform erhielt das ländliche Schützenwesen
im Hochstift Paderborn (im wesentlichen
die heutigen Kreise Höxter und Paderborn, das Corveyer Land
ausgenommen) zur Zeit
der niederländischen Freiheitskriege (1568 - 1648). Beide
kriegsführenden Parteien, Niederländer und Spanier,
schickten militärische Trupps aus, die kreuz und quer durch
Westfalen zogen, um Futter für die Pferde ihrer jeweiligen
berittenen militärischen Einheiten und Nahrungsmittel für
ihre Soldaten herbeizuschaffen. Wir haben uns diese
Beschaffungsmaßnahmen als Plünderungszüge
vorzustellen, mit denen auch Mord und Totschlag einhergingen. Das
Fehlen einer Heimwehr und die Vernachlässigung der
Wehrtüchtigkeit der Landbevölkerung rächte sich jetzt.
Nirgendwo auf dem platten Lande konnte den räuberischen Haufen
Einhalt geboten werden.
Im vor allem zunächst bedrohten
Münsterland schuf der dortige Fürstbischof ländliche
Heimwehren, die eben aus sogenannten Schützen gebildet wurden.
Gleichermaßen verfuhr der Bischof von Köln auf dem Gebiet
des Herzogtums Westfalen, im wesentlichen identisch mit dem
Sauerland, dessen Herrscher er ebenfalls war (das westliche, das
märkische Sauerland ausgenommen).
In diesem Zusammenhang sind
für uns die Aktivitäten unseres damaligen Landesherren, des
Forstbischofs von Paderborn, wichtig. Er erstellte um 1590 einen
,,Generalmobilmachungsplan der Schützen für das gesamte
Hochstift Paderborn'', einen sogenannten Conförderationsvertrag.
Darin legte er fest, ,,...wie man dies Stift (Hochstift) Paderborn
vor stadischen (Generalstaaten Holland) und anderen Infällen
verthedigen möge.'' Die fürstbischöfliche Regierung
war der Meinung, ,,dass durch dero (der Schützen) Hülft und
Zuthuen dieser Ihro Hochfürstliche Land und Fürstenthumb
vor allem feindlichen Anfall so viel besser und füglicher
geschützet, auch sonsten im Lande ruhe und einigkeit erhalten
werden möge.''
Städte,Klöster und Adlige hatten
Pferde und Schützen zu stellen und auszurüsten. Schützen
aus mehreren Dörfern wurden zu einer Art
Verteidigungsgemeinschaft, die Fähnlein genannt wurden, zusammengefasst.
Die
aus Eissen zu stellenden Schützen gehörten zu einem
Kontingent (Fähnlein) von 3OO Mann, das aus
folgenden Dörfern gebildet wurde: Bonenburg, Borlinghausen, Dorf
Dalheim (beim Kloster Dalheim),
Eissen, Germete, Hohenwepel, Menne, Nörde, Ossendorf, Rimbeck,
Scherfede, Welda Westheim,
Wormeln. Verteilt man die 300 Schützen dieser Orte von der Zahl
her gleichmäßig auf diese 14 Dörfer, so würde
sich für Eissen eine Gruppe von etwa 20 Schützen
ergeben.
Wir können also festhalten, dass es bereits um 1590
in Eissen Schützen, Schützenbrüder gab, wenn auch
noch nicht in einem Verein organisiert.
An der Spitze dieser 300
Schützen stand ein Fähnrich, die Gruppe der jeweiligen
dorfbezogenen Schützen
wurde von einem Rottmeister geführt. Jede Rotte musste ein gutes
Feuerrohr (Büchse) haben. Die anderen Heimwehrleute werden mit
den im ländlichen Bereich üblicherweise vorhandenen
Gerätschaften bewaffnet gewesen sein, die sich aber nur bedingt
für einen Waffengang mit dem Militär eigneten: mit Sensen
(evtl. umgeschmiedet und als Lanze gebraucht), Äxten, Stangen,
schweren Hämmern etc.In den Bestimmungen des Landesherrn
heißt es: Beim Auszug der Schützen zu einem Einsatz sollen
die Schützen mit ,,brot, butter, käse und speck zufriedense
sein'', als Proviant eben. Ob und wann diese
Schützen in der vorgesehenen Formation zum Einsatz gekommen
sind, ist nicht bekannt.
Im Glauben Halt finden
Zu allem, was das Schützenwesen ausmacht gehörte besonders in den geistlichen Fürstentümern die Bindung an die Kirche. Häufig wählten die Schützen den Patron ihrer Ortskirche auch zum Schutzpatron ihrer Gemeinschaft. Die Schützen pflegten auch auf dem Lande das gemeinsame Gebet, begruben gemeinsam ihre Toten und sorgten dafür, dass Seelen- und Gedächtnismessen für sie gefeiert wurden. Selbstverständlich war es für sie, bei Prozessionen das Allerheiligste zu begleiten, ihm symbolisch Schutz. zu gewährleisten, ihren Dienst dem höchsten Herrn, dem Herrgott, zu widmen.
Nach der Reformation, deren Beginn im Jahre 1517 anzusetzen ist, wurde die Schützentradition in den protestantischen Regionen nicht mehr fortgesetzt. In den geistlichen Territorien lebten die Vereinigungen der Schützen nach den Wirren der Reformationszeit wieder auf. Sie nannten sich Schützenbruderschaften. Von den Fürstbischöfen wurden sie sehr gefördert, sahen diese doch in ihnen einen. Garanten, der religiöses Leben auf dem Lande förderte und festigte (siehe Wahlspruch: Glaube – Sitte - Heimat).
Hubert Plogmeier in Eissen - Bild unserer Heimat, Seite 20
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