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Bleiben wir noch eine Weile in Corvey oder, genauer gesagt, bei den Beziehungen Corvey - Eissen.Sie haben sich um die Jahrtausendwende (10. Jahrhundert) und danach vervielfältigt und stabilisiert. Das Kloster Corvey konnte in der Zeit vom 10. bis 12. Jahrhundert seine Besitzungen erheblich vergrößern. Der am dichtesten vorhandene Besitz ist im sogenannten ,,Südreich'' des Klosters festzustellen. Damit ist der Bereich in der Warburger Börde, an der Diemel bis Scherfede und weiter im Bereich des heutigen Waldeck gemeint.
Zentrum des gewaltigen Grundbesitzes war zunächst Niedermarsberg (Horhusen), wo Corvey eine Präfektur, eine Art Amtssitz, eingerichtet hatte. Hinzu kam die Kirche auf der Eresburg, Obermarsberg also, die seit 826 in Corveyer Hand war. Dort hatte das Kloster eine Niederlassung mit einem Konvent von Mitbrüdern aus Corvey. Auf der Wegstrecke von der Weser bis hinein ins Waldecksche, damals als Ittergau bezeichnet, gab es eine Reihe von Stützpunkten der Corveyer, ,,curia'' genannt. Eine curia, oder eingedeutscht ,,Kurie'', war ein Herrenhof. In diesem Falle ist die Bezeichnung Klosterhof sinnvoll. Schaut man sich die Landkarte an und orientiert sich an einer gedachten Linie von Corvey bis Scherfede, so kann man feststellen, dass etwa alle 10 bis 15 Kilometer ein Corveyer Stützpunkt, ein Klosterhof, ein Mönchshof, angelegt war. Diese Strecke konnte man bei schlechten Wegeverhältníssen, die man als gegeben annehmen muss, mit einem Ochsenkarren zurücklegen. Dieses war das übliche Mittel zur Fortbewegung von Lasten. Auf der Strecke Corvey - Scherfede können wir folgende Klosterhöfe konstatieren. Jakobsberg - Eissen - Scherfede. Seitab lagen noch weitere Höfe des Klosters, wie beispielsweise Ossendorf, Rimbeck etc. Vom Eissener Klosterhof ist uns die innerörtliche Flur- und Straßenbezeichnung „Münnikouf“ = Mönikhof geblieben. Die plattdeutsche Benennung Münnikouf ist vielen von uns ebenfalls noch geläufig. Um 1080 haben wir schon einen Nachweis über die Existenz dieser Niederlassung. Gab es aber eine solche in einem Dorf, so können wir davon ausgehen, dass dieser Ort schon eine gewisse Infrastruktur, würden wir heute sagen, hatte. Kein Kloster baute einen Hof auf die ,,grüne Wiese''. Dort musste es dann schon eine menschliche Ansiedlung geben, möglichst mit einer Kirche. Darauf wird später noch ausführlicher einzugehen sein. Wenden wir uns der wichtigen Einrichtung Klosterhof nochmals in intensiverer Form zu. Wir erfahren einiges, auch Einzelheiten, darüber im „Registrum Erkenbertí“. Erkenbert war einer der bedeutendsten Äbte des freien Reichsklosters Corvey. So durfte sich das Kloster nennen, weil es unmittelbar dem Kaiser und nicht etwa einem regionalen Herrscher unterstand. Seelsorgerisch allerdings war der zuständige Bischof dominierend. Abt Erkenbert leitete die Abtei von 1107 bis 1128. Das nach ihm benannte Registrum (= Sachverzeichnis) ist wohl während seiner Zeit angelegt worden, bezieht sich aber von den Aussagen zu Einzelobjekten bereits auf die Zeit vor ihm (Klosterhof Eissen um 1080; s.o). Der Inhalt der Heberolle gibt uns Auskunft darüber, was der Klosterhof Eissen zu bestimmten Zeiten an die Klosterwirtschaft in Corvey abliefern musste. Der Begriff Heberolle ist durchaus wörtlich zu nehmen. Auf ein kräftiges Papier wurde aufgeschrieben, was zu welchen Zeiten erhoben wurde. Nach vollzogener Eintragung wurde es zusammengerollt. Die Abgaben waren zu den hohen Kirchenfesten zu leisten, wie Weihnachten, Ostern, aber auch zu Allerheiligen und zum St. Vitus-Tag (Patron des Klosters). Die Reichsabtei hatte auch einen erheblichen Bedarf an Naturalien und Geld. Sie hatte beispielsweise Königs- bzw. Kaiserpflichten abzuleisten. Kam der Herrscher des Reiches des Weges und hielt mit dem oft beträchtlichen Gefolge Einkehr, dann hatte das Kloster für die Bewirtung unentgeltlich zu sorgen. Die Art der Abgaben, die Eissen leisten musste, ist uns bekannt. In den relevanten Unterlagen, die im Staatsarchiv Münster aufbewahrt werden, heißt es: | De Heisten | XX maldros tritici, XL maldros diversi generis, X scipulos pisarum, IIos et dimidum maldros casorum Preposito demidium talentum | | Von Heisten (= Eissen) | 20 Malter Weizen, 40 Malter (Getreide) unterschiedlicher Herkunft (Art), 10 Scheffel Erbsen, 2 und ein halbes Malter Käse Vorzulegen in einem halben Talent | Im einzelnen: Die Ortsangabe Heisten bezieht sich auf Eissen. Dieses kann man schon daraus erkennen, dass Heisten hier in unmittelbarer Folge mit weiteren Klosterhöfen unserer Region genannt wird (siehe auch Kaminsky, Seite 227; Literaturangabe). Maldros/Malter ist ein Hohlmaß unterschiedlicher Größe (zwischen 1,5 und 7 Hektolitern). Der Scheffel als alte Maßeinheit, in der Hauptsache für Getreide verwandt, weist ebenso große Schwankungen zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Regionen auf, so dass die Angaben für uns heute nicht die gewünschte Transparenz haben. Rätsel gibt auch die am Schluss genannte Bedingung auf, die sich auf ein halbes Talent bezieht. Hier könnte der Geldwert der gesamten Naturalablieferung gemeint sein. Talent ist eine Geldsumme, die in Verbindung mit einem bestimmten Warengewicht steht. Ebenfalls in der Corveyer Heberolle wird der Ort Ringildessun genannt. Hier handelt es sich um Ringelsen, einen wüst gefallenen Weiler nördlich von Eissen, nahe der Straße Schweckhausen-Borgentreich. Geläufig ist noch die Flurbezeichnung „Ringelsche Busch“. Hubert Plogmeier: Eissen - Bild unserer Heimat, Seite 70 und 71
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